Brunnenbau in Guinea

(Bild aus dem Plan Erlangen Archiv)

Neugierige Elefanten auf dem Klohäuschen

Wie Jugendliche auf Sri Lanka zu Entwicklungshelfern werden und was die Dickhäuter damit zu tun haben

WALLAWAYA - Irgendwann hatten Lakshmi, Nirosha, Irisha und Asankran die Nase voll: Von Erwachsenen, die viel reden, aber wenig tun, von kaputten Toiletten und von neugierigen Elefanten. Also nahmen sie und 150 weitere Jugendliche die Sache selber in die Hand. Sie gründeten ein Komitee - und zweieinhalb Monate später gab es in ihren vier Dörfern im Süden Sri Lankas 80 neue Toiletten.

Jetzt strahlen Lakshmi, Nirosha, Irisha und Asankran in ihren frisch gestärkten, weißen Schuluniformen um die Wette und präsentieren stolz eines ihrer Klohäuschen. Das gibt es zwar in dieser Ausführung millionenfach auf der Welt - sauber gemauert, geweißelt und sogar mit einem Wasseranschluss - doch für die jungen Lankesen ist es trotzdem ein ganz besonderer Bau. "Wir wissen jetzt, was wir alles erreichen können", erklärt die 19-jährige Nirosha.

 Selber gestalten

"Wir wollen für, aber vor allem auch mit Kindern arbeiten", beschreibt die Leiterin des Kinderhilfswerkes Plan International in Sri Lanka, Myrna Evora, die Idee der "kinderzentrierten Gemeindeentwicklung". Kinder und Jugendliche, so ihre Überzeugung, sind die besten Anwälte in eigener Sache und sie sollen ermutigt werden, die Entwicklung ihrer Umgebung selber in die Hand zu nehmen. Plan schulte Lakshmi, Nirosha, Irisha, Asankran und ihre Freunde daher zu kleinen Entwicklungshelfern, die zunächst herausfinden mussten, was in ihren Dörfern am dringendsten gebraucht wird.

Schnell war den Jugendlichen klar, dass es in ihrer wasserarmen Region, die zu den ärmsten der Insel gehört, vor allem an funktionierenden Sanitäreinrichtungen mangelte. Traditionell wird das stille Örtchen in Sri Lanka weit ab der Häuser im Busch gebaut, was vor allem nachts nicht nur unkomfortabel, sondern auch gefährlich ist. Wer im Finstern "raus" muss, kann auf eine giftige Schlange treten oder, noch schlimmer, begegnet einem der wild lebenden Elefanten. Wenn eines der neugierigen Schwergewichte genauer nachschaut, was in dem Häuschen vor sich geht, bleibt davon meistens nur Kleinholz übrig.

Also versuchten die jungen Bauherren die Erwachsenen davon zu überzeugen, die neuen Toiletten direkt neben den Wohnhäusern zu bauen - wo die Elefanten nicht spazieren gehen. Keine leichte Aufgabe, am sturen Traditionalismus der Dorfbewohner biss sich beinahe schon mal die staatliche Wasserbehörde die Zähne aus: Über zwei Jahre brauchten die Beamten, bis sie den Bau von 124 Klos durchsetzen konnten.

80 Toiletten geschafft 

"Wir haben 80 Toiletten in zweieinhalb Monaten geschafft", erzählt Nirosha triumphierend. Von der Planung, über die Beschaffung von Baumaterial, bis zur Abnahme regelten sie alles selber und ihre Begeisterung steckte die Erwachsenen an. Lediglich 4500 Euro gaben die jungen Entwicklungshelfer aus, zur Verfügung gestellt von Plan und Paten in der ganzen Welt. Klar, dass die Dorferneuerer jetzt auf den Geschmack gekommen sind: Als Nächstes wollen sie die staubige Dorfstraße befestigen, damit sie auch während der Monsunzeit zur Schule gehen können.

Was für das Hinterland gut ist, meint Myrna Evora, kann für die Tsunami-Katastrophenregion an der Küste nicht schlecht sein. Deshalb sollen Kinder und Jugendliche auch beim Wiederaufbau der Dörfer ein Wort mitreden - und lernen, ihre Zukunft selbst zu gestalten: "Wer einmal ein solches Projekt durchgezogen hat, hat etwas fürs Leben gelernt", ist sich Evora sicher. ARMIN JELENIK

Experten in eigener Sache: In Sri Lanka sollen Kinder und Jugendliche - hier in einer Teeplantage in den Bergen - die Entwicklung ihrer Umgebung selbst in die Hand nehmen.

BLITZ/ALL/MAG/MAG6 - So 29.05.2005  MAGAZIN

Plötzlich gehen die Bilder unter die Haut

Plan-Paten aus der Region berichten von ihren Erfahrungen - Kind in Sri Lanka unverletzt

Auf einmal war die Katastrophe im fernen Asien ganz nahe. »Natürlich hatte ich Angst, dass auch meinem Patenkind in Sri Lanka etwas passiert ist«, berichtet Dieter Hassler von seinen Gefühlen als am 26. Dezember der gewaltige Tsunami die Küste des kleinen Inselstaates überrollte. Plötzlich waren die Bilder der Zerstörung keine anonymen Nachrichten mehr, sondern eine Bedrohung für das kleine Band der Freundschaft, das Hassler seit 2003 mit einer Patenschaft beim Kinderhilfswerk Plan zu dem Jungen Tharindu Lakmala geknüpft hat.

Tharindu
Tharindu aus Sri Lanka

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Zum Glück erfuhr der Uttenreuther schon wenige Tage später, dass dem Achtjährigen nichts passiert war. Doch das Gefühl, mit der Patenschaft eine ganz besondere Beziehung zu einem Menschen zu haben, der plötzlich nicht mehr gesichts- und namenlos ist, ist Hassler seitdem noch vertrauter geworden.

Der Ingenieur gehört zu den über 3000 Menschen aus dem Großraum Nürnberg, die eine Patenschaft für ein Kind in einem der 45 Plan-Projektländer übernommen haben. Zehn bis 15 von ihnen treffen sich regelmäßig, um in der Erlanger Plan-Regionalgruppe zu klönen, Erfahrungen auszutauschen und ein bisschen mehr zu tun, als 25 Euro im Monat zu überweisen. Seit die Nürnberger Nachrichten und der SONNTAGSBLITZ vor zwei Jahren Paten für Kinder in Guinea suchten, macht sich die Gruppe für das westafrikanische Land stark.

Auf Trempelmärkten, Stadtteilfesten und bei Tombolas verkaufen sie Waffeln, in Kindergärten sind sie bei Projekttagen zur Entwicklungshilfe mit dabei - alles ehrenamtlich, versteht sich. Die Spenden, die sie bei solchen Gelegenheiten sammeln, gehen zweckgebunden für den Bau von Brunnen in Guinea an Plan. »Zwei haben wir schon finanziert, jetzt brauchen wir 2000 Euro für den dritten«, berichtet Holger Jahn, dessen Patenkind in Honduras lebt.

Reicht es nicht, regelmäßig Geld zu überweisen? »Es macht einfach Spaß, in der Gruppe an einem gemeinsamen Ziel zu arbeiten«, erklärt Christine Camara ihr Engagement. Und Dieter Hassler ergänzt: »Eine demokratische Gesellschaft lebt schließlich davon, dass sich jeder engagiert.«

Christine Camara unterstützt je ein Patenkind in Bolivien und in Benin. Der Patenschaftsbeitrag von 25 Euro im Monat pro Kind ist ihrer Ansicht nach nicht zu teuer. »Das ist eine Doppel-CD weniger, das kann sich jeder leisten.«

Dass dieses Geld nicht direkt bei dem Kind ankommt, für das er die Patenschaft übernommen hat, findet Dieter Hassler völlig in Ordnung. »Das Konzept, das Geld lieber in Projekte zu stecken, die einem ganzen Dorf zugute kommen, finde ich sehr gut.« Das sehen die anderen Mitglieder der Regionalgruppe offenbar genauso: Viele von ihnen haben schon die zweite Patenschaft für ein Plan-Kind übernommen. 

Kleiner Beitrag

»Durch unser Engagement haben auch die Ereignisse in einem fernen Land wie Sri Lanka eine Bedeutung für uns«, meint Dieter Hassler, »und wir wollen wenigstens ein bisschen zum Ausgleich zwischen Arm und Reich beitragen.«

ARMIN JELENIK 

Die Plan-Regionalgruppe Erlangen ist über Dieter Hassler, Telefon 0 91 31/5 19 99, zu erreichen. Ansprechpartnerin in Fürth ist Beate Engelhardt, Telefon 09 11/39 71 39

 

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